Tim Engartner, Christine Engartner: Ökonomisierungstendenzen im allgemein- und berufsbildenden Schulwesen
Die Ökonomisierung von Bildung reicht über das Sponsoring von Schulfesten, die Produktion von Unterrichtsmaterialien durch private Content-Anbieter und den wachsenden Markt kommerzieller Nachhilfeanbieter hinaus. So kommen auch in verschiedenen bildungspolitischen Debatten Ökonomisierungstendenzen zum Ausdruck – seien es die seinerzeitige Schulzeitverkürzung nach den Vorgaben des achtjährigen Gymnasiums („G8“), die curriculare Aufwertung der auf Arbeitsmarktrelevanz zielenden Berufsorientierung, die Verdrängung allgemeinbildender Inhalte im berufsschulischen Bildungswesen oder auch die im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Finanzierung des Bildungssystems.
https://doi.org/10.3224/gwp.v75i1.08
Die Einflussnahme der Wirtschaft auf den sozialwissenschaftlichen Unterricht hat eine lange Geschichte, zu der sich im GWP-Online-Archiv zahlreiche Beispiele finden. Hier drei Texte zum Thema mit besonderer Ausprägung. Mehr finden sich über die Schlagwortsuche unter „Unterricht“ und unter „Wirtschaft“.
Hans-Hermann Hartwich, Kein neues Fach Ökonomie, aber eine modernere Wirtschaftslehre in der schulischen politischen Bildung!
Das Deutsche Aktieninstitut und seine wissenschaftlichen Ratgeber fordern rundheraus ein eigenes Fach, das alsbald von der Kultusminister-Konferenz (KMK) beschlossen werden müsse. … Angesichts des durch Stundenzahlen begrenzten Kanons kann die Forderung nur dadurch erfüllt werden, dass eingeführte Fächer gestrichen oder im Stundenplan nur stark verkürzt angeboten werden. Welche Fächer kämen dafür in Frage? Sicher nicht die Naturwissenschaften, der Fremsprachen- und der Deutsch- Unterricht. Im Grunde bleiben nur Geschichte und die verschiedenen Formen der „Gemeinschaftskunde/Sozialkunde“ als Steinbruch übrig. ..
https://budrich-journals.de/index.php/gwp/article/view/12070
Bettina Zurstrassen, Die Wirtschaft interveniert gegen Lehrmaterial. Der Auslieferungsstopp für den Materialband „Ökonomie und Gesellschaft“
Interview mit Frau Professorin Bettina Zurstrassen Im September 2014 erschien in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) der Band „Sozioökonomische Bildung“, herausgegeben von Andreas Fischer und Bettina Zurstrassen. Im Februar folgte in der Reihe „Themen und Materialien“ der Unterrichtsmaterialband „Ökonomie und Gesellschaft“, herausgegeben von der bpb. Der Band stellt Arbeitsmaterial zum Fragenkomplex „Sozioökonomische Bildung“ bereit. Wenige Monate später stoppte die bpb die Auslieferung des Materialbandes auf Anweisung des Bundesinnenministeriums, der vorgesetzten Behörde der bpb.
https://doi.org/10.3224/gwp.v65i2.24011
Thorsten Hippe, Finanzielle Allgemeinbildung: Bürgerliche Institutionenkunde und Tugendlehre oder kritische Analyse eines gesellschaftspolitischen Problems?
Bestimmte Akteure aus Wirtschaft und Politik erheben zurzeit lautstark die Forderung nach Finanzbildung in der Schule. Hierfür entwickeln sie im Rahmen von Public-Private-Partnerships Unterrichtsmaterial, das als Leitbild den mündigen Bürger vorgibt. Diese Materialien ignorieren jedoch zentrale fachdidaktische Prinzipien wie die Förderung von Kritikfähigkeit, Problemorientierung, Konfliktorientierung und Wissenschaftsorientierung, sodass dieses Leitbild klar verfehlt wird.
https://budrich-journals.de/index.php/gwp/article/view/8549/7447
