Rassismus, Antisemitismus und „braunes“ Gedankengut sind nicht nur „importiert“, wie oft betont wird.
Der Historiker Heinrich August Winkler (Warum es so gekommen ist. Erinnerungen eines Historikers. München 2025) schreibt über Erfahrungen in der politischen Bildungsarbeit im Zusammenhang mit der „Arbeitsgemeinschaft Bürger und Staat“, der Vorläuferin der Baden-württembergischen Landeszentrale für politische Bildung. Diese Arbeit fand nach Angabe des Buches um 1960 statt, und dazu schreibt Winkler:
„Bei fast allen Auftritten mussten wir uns mittelbar mit den Elternhäusern der Schülerinnen und Schüler auseinandersetzen, und zwar in Gestalt des Widerhalls der dort üblichen Erzählung von der ,Kriegsschuldlüge´und dem ,Diktat von Versailles´, von staatlichem Verfall, wirtschaftlichem Niedergang, Massenelend und politischem Chaos in der Zeit vor 1933, von der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung, der raschen Beseitigung von Parteienhader und Massenarbeitslosigkeit, von allgemeiner wirtschaftlicher Erholung und neu gewonnener Nationalehre nach der ,Machtergreifung´. Die politische Unterdrückung Andersdenkender, dies systematische Kriegsvorbereitung, die Entrechtung und schließlich Vernichtung der Juden kam in diesem weit verbreiteten Bild von der ,Hitlerzeit´ nicht oder allenfalls am Rande vor“ (Seiten 24 bis 25).
Viele der Kinder von damals weilen wahrscheinlich noch unter uns. Was haben sie von den „Erzählungen“ verinnerlicht und was durch Faktencheck verworfen?
