Alexander Wohnig, Steffen Pelzel, Hannah Klein, Marlon Barbehön: Die Geburt der Politikdidaktik Zur Profession(alisierung) der politischen Bildung im Kräftefeld von Anrufungen des Staates und Entgegnungen des Feldes
Der Beitrag unternimmt den Versuch, die Entstehung der Politikdidaktik nicht als selbstre- ferenziellen Prozess, sondern im Kräftefeld zwischen staatlichen Anrufungen und Entgeg nungen der in der Konstitution begriffenen Profession zu beschreiben. Wir rekonstruieren dafür die staatlicherseits vorgebrachte Infragestellung der Wirksamkeit politischer Bildung und die damit verbundene Aufforderung zur Professionalisierung, wie sie sich in den 1950er und 1960er Jahren vollzogen haben. Im Ergebnis ergibt sich daraus das Bild einer schweren Geb urt, die Grundfragen und Kontroversen der Theorie und Praxis politischer Bildungsarbeit zur Welt gebracht hat, die als Nachwehen bis heute fortwirken.
https://doi.org/10.3224/gwp.v75i1.04
Zu diesem grundlegenden Text finden sich im Online-Archiv wie in der einschlägigen Literatur überhaupt kaum direkt anschließende Egänzungen, weil seine Fragestellung alle Einzelbeiträge zum Thema übergreift. Interessant ist aber die Spiegelung des Paradigmenwandels in den beiden ersten Fachzeitschriften zur politischen Bildung, von denen GWP (früher „Gegenwartskunde“) eine war:
Günter C. Behrmann, Von der politischen Erziehung zur sozialwissenschaftlichen Bildung. Die ersten Fachzeitschriften und die programmatische Wende in der politischen Bildung im Jahre 1962
Wie in den Standardwerken zur Geschichte der politischen Bildung wird der Blick auch in den bildungsgeschichtlichen Einzelstudien vor allem auf die wechselnden pädagogischen Leitvorstellungen, ’Konzeptionen’ und Programme gerichtet. Die Schulen und die außerschulischen Bildungseinrichtungen, die zur politischen Bildung beitragenden Schulfächer, die Bezugswissenschaften, die Lehrerausbildung, kurz: jene Institutionen, welche die politische Bildung tragen und fördern, werden dort weit weniger, teils auch gar nicht beachtet. So ist selbst vielen Fachleuten nicht bewusst, dass bereits in der Mitte der 50er Jahre, also vor nun einem halben Jahrhundert, mit Aus Politik und Zeitgeschichte (A-PuZ) und Gesellschaft Staat Erziehung (GSE) zwei Periodika gegründet wurden, die zusammen mit der 1966 zu einer Fachzeitschrift für die politische Bildung umgewandelten Gegenwartskunde ent-scheidenden Anteil an der Institutionalisierung und Neuorientierung der politischen Bildung in der Bundesrepublik der späten 50er und 60er Jahre hatten.
https://budrich-journals.de/index.php/gwp/article/view/12583
