Ein großes Problem. Es gibt zu wenig (bezahlbaren) Wohnraum, und die weltpolitischen Unsicherheiten führen zu steigenden Energie- mithin Baukosten, was die Investitionen lähmt.
Der Mietenreport des Mieterbundes zeigt die aktuelle Situation und hebt vor allem die soziale Problemlage hervor:
„Der Mietenreport 2026 zeigt: Die Wohnungskrise wird zunehmend zur Sozialstaatskrise. 29 Prozent der Mieter:innen sorgen sich, ihre Miete künftig nicht mehr zahlen zu können, jede:r Zweite fürchtet, keine bezahlbare Ersatzwohnung zu finden. Steigende Wohnkosten zwingen viele bereits heute, bei Rücklagen, Anschaffungen, Ernährung oder Gesundheit zu sparen. Entlastung schafft nicht der Abbau sozialer Leistungen, sondern wirksamer Mieter:innenschutz und mehr dauerhaft bezahlbarer Wohnraum.“
https://mieterbund.de/themen-und-positionen/studien/mietenreport-2026-2/
Enteignung der Wohnungskonzerne
Eine spezifische und politisch brisante Wendung hat das Wohnungsproblem in Berlin genommen, wo die Partei Die Linke daraus ein Wahlkampfmotiv entwickelt hat, das auf die Enteignung der Wohnungskonzerne zielt.
Die Sicht der Gewerkschaften
Die gewerkschaftliche Böckler-Stiftung hat ein Gutachten präsentiert, das zeigt, wie die Vergesellschaftung der Konzerne wirtschaftlich erfolgreich funktionieren könnte:
„Eine Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände wird den Wohnraummangel in Deutschlands Großstädten nicht beheben. Dazu braucht es Neubau in großem Stil. Dennoch kann sie als ergänzendes Element sinnvoll sein, um das Bezahlbarkeitsproblem von Mieten zu vermindern, ergibt eine neue Studie am Beispiel der Situation in Berlin. Wichtig ist dabei aber erstens, dass der ohnehin angespannte Berliner Landeshaushalt nicht belastet wird, und zweitens, dass die Vergesellschaftung so umgesetzt wird, dass nicht zugleich der Bau neuer Wohnungen leidet. Zu diesem Ergebnis kommen Sebastian Dullien vom IMK, Patrick Kaczmarczyk und Tom Krebs von der Universität Mannheim sowie Achim Truger von der Universität Duisburg-Essen. Die Ökonomen zeigen am Beispiel Berlins, dass die Vergesellschaftung von Wohnungen nicht nur sozialpolitisch sinnvoll, sondern – je nach Modell – auch wirtschaftlich und fiskalisch tragbar sein kann.“
https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-so-konnte-vergesellschaftung-umgesetzt-werden-79448.htm
Gegen Enteignung: Die Koalition
Gegenwehr kommt von der rot-schwarzen Koalitionsregierung, Mit den Berliner Enteignungsfantasien soll endlich Schluss sein – zumindest, wenn es nach der Bundesregierung geht; die Bevölkerung in Berlin sieht das ja nachweislich anders. Die hatte sich schon vor Jahren in einem Volksentscheid dafür ausgesprochen, große private Wohnungskonzerne zu vergesellschaften. Zwar wird die Umsetzung eines solchen Vorhabens in der Hauptstadt bislang verschleppt, aber in der Bau-, Immobilien- und Bankenbranche gibt es großes Muffensausen.
Die Bundesregierung möchte nun vorsorglich mit einem neuen Bundesgesetz verhindern, dass Bestände von privaten Wohnungskonzernen auf Landesebene verstaatlicht werden können. So steht es im Einigungspapier der Bundesregierung, das der taz vorliegt.
https://taz.de/Koalition-zum-Wohnen/!6192955
Die Wirtschaft (IHK Berlin)
In Berlin wird offen die Enteignung von privaten Wohnungsunternehmen erwogen und damit ein verheerendes Signal gesendet – in die Stadt und über ihre Grenzen hinaus. Die Entwicklung auf dem Mietenmarkt folgt einem einzigen Grund: Das Angebot ist zu gering. Berlin fehlen 80.000 Wohnungen.
Enteignung schafft nicht eine einzige neue Wohnung! Hinzu kommt: Dem Ruf der weltoffenen Zukunftsmetropole Berlin droht nachhaltiger Schaden. Diese Politik wird die Wohnungsmarktsituation weiter verschlechtern. Ausreichend günstiger Wohnraum für die Mittelschicht und damit auch für potenzielle Fachkräfte für die prosperierende Wirtschaft der Stadt wird so nicht geschaffen. Wohnungsknappheit verschwindet nicht per Volksentscheid, sondern nur durch: Bauen! Bauen! Bauen!
https://www.ihk.de/berlin/politische-positionen-und-statistiken-channel/pol-positionen-im-ueberblick/wohnungsbau-4387654
Ergänzend:
Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet eine große Materialzusammenstellng zum Thema auf ihrer Seite „Schulnewsletter“:
https://www.bpb.de/lernen/angebote/schulnewsletter-archiv/581907/schulnewsletter-september-2026-thema-wohnen
