Mit welchen Mitteln die Feinde der Demokratie vorgehen, beschreibt Marcel Fratzscher, der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in seiner Kolumne in der ZEIT in der Reihe Fratzschers Verteilungsfragen
Populisten unterscheiden sich von Demokraten vor allem in der Art, wie sie Angst instrumentalisieren. Sie glauben: Wer Angst macht, hat Macht. Und leider stimmt das.
Wer verstehen will, warum demokratische Gesellschaften heute so fragil geworden sind, muss nicht auf Migration, Globalisierung oder technologische Umbrüche schauen. Er muss auf die politische Instrumentalisierung von Angst blicken. Und die hat einen ökonomischen Kern. Neu ist, wie gezielt Angst politisch eingesetzt wird. Populisten haben eine einfache, aber wirkungsvolle Strategie perfektioniert: Sie verwandeln komplexe Probleme in moralische Konflikte, konstruieren Feindbilder und suggerieren, dass Sicherheit und Wohlstand nur durch Ausgrenzung zu erreichen seien.
Durch digitale Medien erreicht diese Logik eine neue Dimension. Für 74 Prozent in der Altersgruppe zwischen 16 und 27 Jahren ist Social Media die wichtigste Informationsquelle. Das Problem: Negative Botschaften polarisieren auf den verschiedenen Plattformen und generieren so deutlich höhere Reichweiten. In Deutschland nutzen Populisten diese Logik, indem sie hauptsächlich Kritik an Bestehendem üben und damit die wahrgenommenen Inhalte dominieren. Wer Angst erzeugt, kontrolliert Wahrnehmung, politische Entscheidungen und hat die Macht, die Demokratie zu bedrohen.
Unter den Schlagzeilen
Die Ideologie der Angst
Die politische Ökonomie der Angst
Angst rechtfertigt autoritäre Machtstrukturen
Die schleichende Transformation der Demokratie
zitiert Fratzscher analytische Texte von Politikwissenschaftlern, mit denen das populistische Vorgehen dargestellt wird.
https://www.diw.de/de/diw_01.c.1009375.de/nachrichten/wenn_angst_die_demokratie_zerstoert.html
