In seiner soeben veröffentlichten Enzyklika „Magnifica Humanitas“ geht Papst Leo XIV unter anderem auch auf die Künstliche Intelligenz und ihre möglichen Wirkungen auf die Gesellschaft ein. Die „großen wirtschaftlichen und technologischen Akteure“, die nicht zuletzt auch Freunde des US-Präsidenten Trump sind, werden die Mahnungen des aus Amerika stammenden Oberhauptes der Katholiken ungern hören. Hier zwei kurze Auszüge:
95. An dieser Stelle muss eine entscheidende Tatsache gesehen werden, die ich bereits zuvor erwähnt habe: Im digitalen Bereich liegt die Kontrolle über Plattformen, Infrastrukturen, Daten und Rechenleistung in vielen Fällen nicht in der Hand der Staaten, sondern von großen wirtschaftlichen und technologischen Akteuren, die de facto die Zugangsbedingungen, die Regeln der Sichtbarkeit und die Möglichkeiten der Teilhabe selbst festlegen. Wenn sich solche Macht in wenigen Händen konzentriert, besteht die Gefahr, dass sie undurchsichtig wird und sich der öffentlichen Kontrolle entzieht. Das erhöht das Risiko einer schiefen Entwicklung, die neue Abhängigkeiten, Ausgrenzungen, Manipulationen und Ungerechtigkeit erzeugt.
96. Angesichts dieser Machtkonzentration in der digitalen Welt werden die großen Prinzipien der Soziallehre zu Maßstäben für die Beurteilung und Einordnung dieser neuen Situation: die unveräußerliche Würde des Menschen, das Gemeinwohl, die allgemeine Bestimmung der Güter, die Subsidiarität, die Solidarität und die soziale Gerechtigkeit. Diese Prinzipien rufen zur Prüfung auf, ob die Macht digitaler Infrastrukturen und Algorithmen tatsächlich Teilhabe und Verantwortung fördert, die Schwachen schützt, Chancengleichheit gewährleistet und auf das Wohl aller ausgerichtet bleibt. Auf dieser Grundlage können wir nun genauer betrachten, was Künstliche Intelligenz ist, welche Möglichkeiten sie erschließt und welche Risiken sie mit sich bringt.
Der vollständige Text der Enzyklika unter
https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html#Das_Technokratisches_Paradigma_und_die_digitale_Macht
