Peer Egtved, Auswahl außerschulischer Lernorte: Mehr historisches Gedenken als politische Kontroversität
Der Beitrag untersucht, wie Gedenkstätten und Parlamentsbesuche unter der Berücksich- tigung der Bildungs- und Aufmerksamkeitsökonomie zur Vermittlung der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung (FDGO) beitragen. Eine Befragung von 113 Lehramtsstudie- renden zeigt, dass rund 2/3 der befragten Studierenden verschiedene Gedenkstätten und/oder Parlamente während ihrer Schulzeit besucht haben. Dabei liegt ein deutlicher Schwerpunkt auf dem Besuch von NS Gedenkstätten, während Parlamente und DDR Gedenkstätten seltener besucht werden. Inhaltliche Schwerpunkte dieser Exkursionsorte sind das historische Gedenken und nicht die politische Kontroversität. Eine fachdidaktisch und pädagogisch orientierte Exkursionspraxis, nach den Bedürfnissen der Klasse, der Schule und der Lehrkraft, die historische wie gegenwartsbezogene Lernorte je nach Bedarf kombiniert und didaktisch sorgfältig in den Unterricht einbettet, erscheint zur Vermittlung der Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung sinnvoll. Eine Verpflichtung, einen bestimmten außerschulischen Lernort aufzusuchen wird kritisch betrachtet.
https://doi.org/10.3224/gwp.v74i4.06
Zum Thema der Erinnerungskultur – hier mit dem Blickpunkt „Nationalsozialismus“ liefert der folgende Text wichtige Überlegungen:
NS-Zeit und Erinnerungskultur. Ein Interview mit Götz Aly
Der Politikwissenschaftler und Journalist Götz Aly hat der taz ein Interview gegeben, in dem er sich mit der Frage auseinandersetzt, wie bei der deutschen Erinnerungskultur mit der NS-Zeit umgegangen werden sollte. Im Kern seiner Aussage steht die folgende Passage:
„[…] Auf der einen Seite stehen die mühsam und dankenswerterweise immer häufiger rekonstruierten Geschichten der Opfer und auf der anderen Seite die der Verfolger und Mörder. Und dazwischen besteht ein luftleerer Raum, ein geschichtliches Vakuum.
taz: In dem was zu sehen sein müsste?
Aly: Die deutsche Gesellschaft während der hitlerdeutschen Jahre und damit diese Fragen: Wie viel Opportunismus, wie viel Feigheit, wie viel Mitmachen, wie viel politisch effektloses Nichtmitmachen haben deutsche Männer und Frauen damals an den Tag gelegt? Solche und ähnliche Fragen beantwortet in Berlin nur die privat geschaffene, ohne staatliche Zuschüsse arbeitende Ausstellung „Hitler – How could it happen?“ im Berlin Story Bunker, einem Hochbunker am Berliner Anhalter Bahnhof.“[…] Das vollständige Interview ist gebührenfrei aufzurufen unter
https://taz.de/NS-Forscher-ueber-Gedenkkultur/!6144298/
